Randnotiz, 1. Dezember, Comunidad Alcalá

Das Wichtigste: Ein dreikammriges Klärsystem

Das Wichtigste: Ein dreikammriges Klärsystem

Eine Kloschüssel über einem Loch aufzustellen, das ergibt ja noch keine ordentliche Toilette,“ höre ich, als ich in Mulacancha das kleine blaugestrichene Sanitärhäuschen öffne: Ein stilles Örtchen für die Mädchen, eins für Jungs. Davor jeweils ein Handwaschbecken, ein separater Duschraum und hinter dem Häuschen: die dreikammrige Güllegrube. Auf die in den Erdboden eingelassenen drei Betondeckel macht mich Max Steiner, der in mehr als 10 Jahren eine Freiwilligenorganisation in Bolivien aufgebaut hat, besonders aufmerksam.

Die Klärung des Abwassers sollte auch hier auf dem Land unbedingt dazugehören, wenn man ein Toilettenhäuschen baut. Auch, um aufzuzeigen, wie Schwarzwasser geklärt werden kann. Allerdings kostet die Abwasserentsorgung dann auch so einiges.“ Das Geld dafür kommt aus dem Spendentopf der Kölner Europaschule. Denn die Schulkinder aus dem fernen Alemania und die aus Mulacancha hatten dasselbe alltägliche und allzu menschliche Bedürfnis: Ein sauberes Örtchen.

Ein stilles Örtchen für die Schulkinder

Ein stilles Örtchen für die Schulkinder

Der schlimme Zustand veralteter, deutscher Schüler-Toiletten ruft seit Jahren in vielen deutschen Kommunen und Städten die Eltern und Schüler auf den Plan. So auch in der Kölner Europaschule. In Bolivien dagegen wagen viele Campesinos bis heute kaum davon zu träumen, dass auch die abgelegenene Landschulen mal ein einfaches Klo bekommen könnten. Hier gehen viele Menschen bis heute bei Wind und Wetter in die Büsche oder aufs Feld.

In Köln nahmen sich Schulpflegschaft und Förderverein also irgendwann die Sanierung eines der maroden Toilettentrakte vor. Sie wollten nicht länger warten bis die verschuldete Stadt endlich die nötigen Mittel freigeben würde. Stattdessen ergriffen sie Eigeninitiative. Seit 2009 gibt es nun schon in der Kölner Europaschule eine moderne Toilettenanlage. Und eine während der Schulstunden aufsichtsführenden Fachkraft, die dafür sorgt, dass die Toilette sauber, und damit benutzbar bleibt. 

In der Kölner Europaschule war schnell beschlossen worden, am eigenen stillen Glück auch eine Schule in Bolivien teilhaben zu lassen. Die 10 Eurocents, die die Kinder in Köln pro Toilettenbesuch bezahlen, – so die Anregung eines Schülers, der just von einem Schüleraustausch aus Bolivien zurück gekommen war – wuchsen so im Laufe der Zeit zu einem Spendensümmchen an, mit dem dann auch eine Toilette für Mulacancha realisiert werden konnte.

Wenn wir hier draußen in den abgelegenen Andenregionen die Landgemeinden darin unterstützen, Schulen und Kindergärten zu bauen, dann darf natürlich auch die Toilette nicht fehlen,“ so Max Steiner. Die gemeinnützige Stiftung, Hostelling International Bolivia, die der Schweizer-Bolivianer aufgebaut hat, steht für interkulturellen Austausch, Sprachkurse und soziales Engagement. Zu HI-Bolivia werden u.a. Voluntarier von „Weltwärts“ und dem „Internationalen Jugendfreiwilligendienst“ entsendet, um sich dann in Bolivien in sozialen und ökologischen Projekten zu engagieren.

Die Landschule von Mulacancha

Die Landschule von Mulacancha

Mulacancha ist eine der vielen in den letzten Jahren neu entstandene kleinen Landschulen, die nötig sind, damit nun auch die Kinder aus den weit vom Hauptdorf abgelegenenen Einzelhöfen regelmäßig zur Schule kommen können. Auf Initiative zweier Ex-Voluntarier kam in den letzten zwei Jahren ein Kindergarten hinzu, finanziert aus Spendengeldern aus dem Umkeis der beiden ehemaligen Freiwilligen. Und daneben das blaue Klohäuschen mit der dreikammrigen Güllegrube, realisiert dank der gesammelten Spenden aus Alemania. So ist die „Klogeschichte“ aus Köln auch für eine bolivianische Kleinschule zur „Erfolgsstory“ geworden, denn ein stilles, sauberes Örtchen ist für viele weltweit ein menschliches Grundbedürfnis.

Und die Geschichte geht weiter: Ganz aktuell ist die Küche modernisiert worden: nun gibt es fließendes Wasser. und auch die qualmende Kochstelle ist durch eine neue ersetzt worden. Für die gesunde Entwicklung bolivianischer Campesinokinder ist nicht nur Bildung, sondern auch ein warmes, gesundes Mittagessen wichtig, bevor sie sich dann wieder auf den immer noch stundenlangen Rückmarsch zu ihren Familien machen.

Fließendes Wasser (mit Max Steiner)

Fließendes Wasser (mit Max Steiner)

Gab es vor Jahren einzig in den Hauptdörfern der bolivianischen Landgemeinden überhaupt eine kleine, oft vom bolivianischen Staat vernachlässigte Schule für Campesino-Kinder, so wird das Bildungssystem in den letzten Jahren endlich fast flächendeckend ausgebaut. Jetzt kann auch die überwiegende Mehrheit der indigenen Kinder in den abgelegenen Teilen Boliviens endlich ihr Grundrecht auf Bildung wahrnehmen. Allerdings fehlen vielerorts noch ausreichend Lehrer, um einen qualifizierten Unterricht auf die Beine zu stellen. Deshalb bitten immer mehr Landgemeinden um Schulassistenten. Die gute Erfahrung der vergangenen Jahre, in denen Freiwilligen beispielsweise von „Weltwärts“ oder aus dem Programm des „Internationalen Jugendfreiwilligendiensts“ für die Dauer jeweils eines Jahres die Lehrerschaft der Landschulen unterstützt oder auch den Aufbau erster Kindergärten mitinitiiert haben, das hat sich bis in die abgelegenen Täler der bolivianischen Anden herumgesprochen. Aber auch außerhalb der Arbeitsstunden sind die jungen Leute aus Deutschland vorallem in den kleinen Dörfern höchst willkommen: Zum Gedankenaustausch, für gemeinsame Freizeitaktivitäten und auch zum Mitfeiern. Denn nirgends in Südamerika, so behaupten die Einheimischen von sich selbst, wird so viel gefeiert wie in Bolivien.

 

Eine neue rauchfreie Kochstelle in Mulacancha

Eine neue rauchfreie Kochstelle in Mulacancha


 

 

 

 

 

 

 

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